Typ Haack

Der „Winzer-Express“ der Fa. Gebr. Haack in Trier

TypHaack

An dieser Stelle soll versucht werden, etwas Licht ins Dunkel zu bringen….aktive Mitarbeit erwünscht !

Die Firma Haack war damals Hanomag-Großhändler in Trier und da zum Kundenkreis regional bedingt auch Winzer im Moseltal gehörten, die besondere Anforderungen an ihr Nutzfahrzeug stellten, entschloss man sich in Ermangelung entsprechender lieferbarer Serienfahrzeuge, selbst die Initiative zu ergreifen. Das Resultat war der „Hanomag Winzer-Express Typ Haack“ ! Ab ca. Mitte der 1960er Jahre boten auch andere Firmen vergleichbare Fahrzeuge auf Basis des Hanomag Kurier an, z.B. die Firma Hoffmann in Piesport. Sämtliche Fahrzeuge dieser Bauart erhielten rasch im Volksmund den Namen „Winzer-Express“, wobei unklar ist, wann und wie diese Bezeichnung entstanden ist. Historisch belegt ist nur, daß die Firma Haack aus Trier den Namen „Winzer-Express“ mindestens seit 1965 für ihre Fahrzeuge nutzte.

img170   Titelblatt der Hanomag-Kundenzeitschrift „Tranport Kurier“ vom August 1965

Als Basis für den „Winzer-Express“ diente der Hanomag Kurier in der Standardversion mit einem Radstand von 2500 mm.

Um die Steigfähigkeit des Fahrzeugs im bergigen Umland zu erhöhen, kamen andere Übersetzungen im Getriebe und im Differential zum Einsatz, so daß sich die urprüngliche Höchstgeschwindigkeit des Hanomag Kurier (mit dem D28CL-Motor ca. 83 km/h) bis auf rund 60 km/h minimierte (vergleiche „Typ Enser„) !

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Unabdingbar war natürlich ein Nebenantrieb für die Zusatzaggregate, die hinter dem Fahrerhaus montiert werden konnten : eine Seilwinde für den Pflug sowie eine Spritzanlage für Schädlingsbekämpfungsmittel

img172  Der „Winzer-Express“ mit Tank und Schlauchhaspel

img175  Die angebotene Spritzanlage förderte bis zu 60 Liter pro Minute

img173  Per Nebenantrieb konnte der Pflug den Berg hinaufgezogen werden

img174  Ein Winzer bei der Arbeit (Pflügen mittels Winzer-Express)

Die Firma Haack verstand es, ihren „Winzer-Express“ mit Blick auf die Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO) taktisch klug zu vermarkten : nach StVZO § 18.1 Anm. 23 Ziffer 65 war der Winzer-Express eine „selbstfahrende Arbeitsmaschine“ ( = „ein Fahrzeug, das nach Bauart und seinen besonderen mit dem Fahrzeug fest verbundenen Einrichtungen zur Leistung von Arbeit, nicht zur Beförderung von Personen oder Gütern bestimmt und geeignet ist“). Die Werbeargumente : „Keine Kfz-Steuer, verbilligter Dieselkraftstoff und günstige Versicherungstarife„. Die Pritsche stellte hier kein Problem dar, wenn (StVZO) „im allgemeinen (…) die Ladefläche 3 m² und die zul. Nutzlast 1,5 t nicht überschreiten.“ Die kurzen Pritschen der Fahrzeuge wurden allerdings zumeist nicht von Haack, sondern von anderen Firmen angefertigt.

Unglaublich, aber wahr : im Mai 2016 ist uns noch ein 1966er „Winzer-Express“  bekannt, der seit nunmehr 50 Jahren vom Erstbesitzer (85 Jahre !) genutzt wird ! Chapeau !

Winzer-Express-1Winzer-Express-1966

Winzer-Express-Typ-Haack  Safety first :  irgendwann wurden modernere Rückleuchten montiert !

Winzer-Express-2 Der „Binger Seilzug“

a82-5 Der Saarburger Winzer-Express bei der Arbeit

Ein weiterer Winzer-Express Typ Haack (Baujahr 1965) wurde im Mai 2016 auf dem Hanomag-Kurier-Treffen in Ostendorf präsentiert. Besitzer Klaus-Dieter Latt (ganz links auf der Pritsche) war übrigens der Teilnehmer mit der weitesten Anreise !

Treffen2016-20

Und hier die modernen Nachfolger des Kurier ab 1967 : Hanomag F 45 bzw. Hanomag-Henschel F 45

Winzer-Express-H-F45

Winzer-Express-HH-F45

Für weitere Informationen und Bilder sowie auch Korrekturen zum Thema HANOMAG WINZER-EXPRESS bin ich jederzeit dankbar !

andreas@hanomag-kurier.de