Kurier, Garant, Markant

1958

Am 21. November werden die ersten Fahrzeuge des HANOMAG Kurier ausgeliefert; zunächst nur mit 2500 mm Radstand.

Tiefziehpresse     sog. „Tiefziehen“ : Blechplatten werden zu Karosserieteilen !

Der Kurier verfügt bis 1962 über den 2,8 Liter-Dieselmotor D28 KL mit 50 PS. In der serienmäßigen Lackierung Steingrau (HG29) kostet der Pritschenwagen 9.880,- DM zuzüglich 205,- DM für die Behr-Frischluft-Heizung; Plane und Spriegel gibt’s für glatte 600,- DM Aufpreis. Ein Kofferwagen ist für 11.635,- DM zu haben; auch hier wird die Heizung extra berechnet (205,- DM), obwohl der Wagen nicht ohne Heizung lieferbar ist ! Sowas war seinerzeit bei vielen Automobilherstellern gängige Verkaufspraxis und wurde später gesetzlich verboten ! Tatsächlich konnte man die Fahrzeuge aber auch bloß grundiert erhalten und erzielte dann einen Minderpreis von 115,- DM beim Pritschenwagen und 250,- DM beim Kofferwagen. Für 9.715,- DM (inkl. Heizung) war ein Fahrgestell mit Fahrerhaus lieferbar.

 „Fahrgestell mit Windlauf“ Hanomag Kurier (Tank hinter dem Beifahrersitz)

Anfangs waren die Sitze mit braunem Kunstleder bezogen :

Kurier-Fahrerhaus mit durchgehendem Boden

 Serienmäßige Bestückung des HANOMAG Kurier

Bis zum Jahresende verlassen  225 Exemplare des Kurier das Werk in Hannover.


1959

Bereits nach wenigen hundert gefertigten Fahrzeugen wird der Tank des Kurier vergrößert : statt 58 faßt er nun 64 Liter. Das kommt besonders dem Mitte des Jahres vorgestellten Kurier L zugute, der einen von 2500mm auf 2850mm verlängerten Radstand aufweist und aufgrund des höheren Leergewichtes schließlich auch öfter an die Zapfsäule muß
Auf der 39. Internationalen Automobil-Ausstellung in Frankfurt/Main wird der neue 2,5-Tonner Garant präsentiert . Dessen Motor D28GLA (2800 ccm Hubraum – wie beim Kurier) leistet dank Aufladegebläse 65 PS. Und : gegenüber dem Kurier, dessen Tank sich hinter dem Beifahrersitz befindet, verfügt der Garant über einen Tank mit 79 Litern Fassungsvermögen, welcher auf der rechten Seite am Rahmen befestigt ist ! Die serienmäßige Lackierung des Garant war der Hanomag-Farbton HG1 („capriblau„).

Garant-Anzeige1959

Fahrgestell des Hanomag Garant (Tank rechts am Rahmen)

Garant-Produktion Garant-Produktion in Hannover

Details zur IAA 1959 in Frankfurt/Main :

aus : „Hanomag-Tempo-Magazin“ Nr. 10/1959

Und : der Kastenwagen Hanomag Kurier II hatte dort seine Premiere :

  aus :“Deutsche Berufsfahrer-Zeitung“ November 1959

Außerdem wurde in Frankfurt auch der Kurier II mit vorderen Schiebetüren präsentiert !.

Obwohl bereits 1959 der Öffentlichkeit vorgestellt, beginnt die Serienherstellung des Kastenwagens Kurier II erst im November 1960 (in der Standard-Lackierung HG13 (hellelfenbein).

Die Produktionszahlen 1959 : Kurier 4844    Garant 777 Gesamt 5621


1960

Der 3-Tonner Markant mit dem D28GLA3-Motor (70 PS) ersetzt den letzten bis dahin gebauten Haubenwagen der L28-Baureihe. Lediglich der Allradwagen bleibt weiterhin in der 1955 präsentierten Form im Angebot. Standardlackierung des Markant : HANOMAG HG10 (blaugrau).

 Glas-Dia für Kinowerbung

Das alte, runde HANOMAG-Emblem wird durch das neue Rheinstahl-HANOMAG-Logo ersetzt.

Garant L und Kurier LL erblicken das Licht der Welt. Produktion des Kastenwagens Kurier II läuft an.

Am 3. und 4. November begeht die HANOMAG ihr 125-jähriges Jubiläum.

Die Produktionszahlen 1960 : Kurier 7146    Garant 3466  Markant 552   Gesamt 11164


1961

Im Januar beginnt die Auslieferung des Kastenwagens Kurier II, der für 14.680,-DM im Schaufenster des Händlers steht. Der D28KL II-Dieselmotor leistet wie im normalen Kurier 50PS, sitzt aber weiter vorne; auch der Rahmen ist völlig anders (geschweißter Kastenrahmen statt genietetem Leiterrahmen aus U-Profilen). Zumindest für die Motoranordnung weit vorne ist die Begründung plausibel : das ermöglicht einen freien Durchstieg vom Fahrersitz zum Laderaum !

 Fahrgestell HANOMAG Kurier II

Die Serienproduktion der Markant-Sattelzugmaschine beginnt; anfangs mit dem „Kurier-Radstand“ von 2,5 m, später mit einem Radstand von 2,85 m (dann auch auf Wunsch mit Fünfganggetriebe) !

 Die Gestaltung der HANOMAG-Prospekte von 1959 bis 1962

Zum Jahresende erwirbt die RHEINSTAHL-HANOMAG Teile des Borgward-Stammwerkes in Bremen-Sebaldsbrück. Es handelt sich um Grundstücke von etwa 190 000 qm und Hallen mit ca. 90 000 qm Produktionsfläche sowie die dazugehörigen Nebengebäuden.

Die Produktionszahlen 1961 : Kurier  7259   Garant  3476  Markant  2508    Gesamt 13243


1962

Der Kurier kostet als Pritschenwagen mittlerweile 10.980,-DM, ein Garant Pritschenwagen belastet die Portokasse mit 14.580,-DM.

Im Juli übernimmt die RHEINSTAHL-HANOMAG auch die 33.890 qm große Halle I des ehemaligen Borgward-Stammwerkes.

 Das ehemalige Borgward-Werk ist nun „Werk Bremen“ der HANOMAG

Kurz vor Jahresende erhalten fast alle Modelle eine Leistungsspritze : die Kuriere bekommen 10PS mehr (Motor D28CL – ab Motor-Nr.1 850 001)), die Leistung des Garant wird um 5 auf 70PS erhöht (quasi der bisherige „Markant“-Motor), und der Markant behält seine Leistung von 70PS, die er allerdings aus mehr Hubraum schöpft: der Motor D351ML mit 3,3 Liter Volumen stammt sozusagen aus der Borgward-Konkursmasse :

 Hanomag-Motor D 351 ML (Borgward-Konstruktion !)

Im Detail : seit Dezember 1962 arbeitet der Kurier-Motor nach dem Ricardo-Verfahren; die Leistung wurde um 20 % gesteigert bei einer Drehzahlerhöhung von 2800 auf 3000 U/min. Das maximale Drehmoment wurde dabei von  15,8 auf 17,9 mkg angehoben.

 < sachdienlicher Hinweis

Annähernd zeitgleich mit der Einführung des D28 CL – Motors beim Kurier gibt es auch eine neue Vorderradaufhängung, sofort zu unterscheiden an der Radführungsschwinge : sie besteht von nun an aus Pressblech, verbaut beim Kurier ab FG-Nr. 3 816 259.

Die Standard-Lackierung für den Kurier ist inzwischen der HANOMAG-Farbton HG33 (kurierblau) !

Die Produktionszahlen 1962 : Kurier  6697   Garant  3525   Markant  3294  Gesamt  13516


1963

Die Motorregulierung wird bei allen Baureihen geändert : war der Motor-Absteller bisher rechts neben dem Fahrersitz am Motorkasten platziert, sitzt er von nun an neben dem Gaspedal (beim Kurier ab FG-Nr. 3 817 904).

Ab Juli ist für Kurier und Kurier II ein 1,8 Liter Ottomotor lieferbar (O301L), der genau wie der Diesel eine Leistung von 60 PS abgibt.

 < sachdienlicher Hinweis

 Die HANOMAG- und Tempo-Prospekte sind von nun an mit Fotos gestaltet

 HANOMAG-Kundendienst-Scheckheft von 1963

Der Ingenieur Carl Pollich wird am 1. Mai 1963 in den Ruhestand verabschiedet. Er war vier Jahrzehnte lang bei der  HANOMAG als Chefkonstrukteur für PKWs und LKWs tätig. Seit den 1930er Jahren war sein Steckenpferd die Entwicklung von Diesel-Motoren. HANOMAG bezeichnete die Kurier-/Garant-/Markant-Baureihe als „eine verdiente Krönung des Schaffens von Oberingenieur Carl Pollich“, welcher hier neben einem HANOMAG L28 zu sehen ist :

 HANOMAG-Konstrukteur Carl Pollich
Die Produktonszahlen 1963 : Kurier  9014   Garant  4089  Markant  4727  Gesamt  17830


1964

Im Juni stellt das Werk den neuen Kastenwagen Kurier T vor; der Kurier II bleibt dennoch als „Großraum-Kastenwagen“ weiterhin in Produktion.

 HANOMAG Kurier T

Mitte des Jahres beginnt auch die Umstellung auf die neue, einteilige Stoßstange für alle Typen (beim Kurier ab FG-Nr.3 824 429); zuvor wurde der Tacho vergrössert : statt 115 mm hat er nun einen Durchmesser von 140 mm (Kurier ab FG-Nr. 3 823 171).

 Garant + Markant hatten (im Gegensatz zum Kurier) einen „Tunnel“ im Fußboden

Die Produktionszahlen 1964 : Kurier  8927   Garant  2589  Markant  5195  Gesamt 16711


1965

Ab Januar erhält auch der Garant den 3,3 Liter-Motor (D351GL) mit 70PS. Dafür wird die Leistung des Markant mittels Aufladegebläse auf 80PS gesteigert (D351MLA). In der Pritschenversion kostet der gestärkte Wagen nun 17.450,-DM, als Kipper mit 3,30 Meter langer Kippbrücke stolze 19.950,-DM. Außerdem ist der Markant ab jetzt auch als Kofferwagen erhältlich – für 19.980,-DM. Da die Garant- und Markant-Typen seit ca. zwei Jahren nicht mehr in Hannover, sondern in Bremen gebaut werden, erfolgt auch die Händlerpremiere des neuen 80 PS – Markant in Bremen :

 Hanomag Markant – Parade vor der Stadthalle in Bremen

 die HANOMAG-Frontlenker 1965

Der bisherige Markant wird als „neuer“ Garant S weiterhin gebaut  ( Motor D351GLS). Die Zierstreben im Kühlergrill (rechts und links des Schriftzuges) entfallen nun . HANOMAG nimmt ein neues Testgelände für die Fahrzeugerprobung in Betrieb .

 Kurier auf dem neuen Testgelände

Die serienmäßige Ausstattung des Kurier hat sich seit 1959 geändert : gehörte anfangs noch eine Ersatz-Glühkerze zum Lieferumfang, ist es jetzt ein Zigarrenanzünder für die Steckdose im Armaturenbrett !

 Serienmäßige Bestückung des HANOMAG Kurier

 Auch die HANOMAG-Prospekte wurden deutlich überarbeitet

Die Produktionszahlen 1965 : Kurier  9634   Garant  2992  Markant  4415  Gesamt 17041


1966

Nichts Neues aus Hannover. Man bereitet sich auf die neuen Modelle – die „große“ F-Baureihe –  vor. Aber in puncto Werbung läuft für die HANOMAG damals wortwörtlich alles rund :

 Werbe-Drehscheibe vom April 1966 (Auflage : 340.000 Stück)

Das oben gezeigte Werbematerial belegt übrigens, dass der Hanomag Kurier als Kipper stets eine Sonderanfertigung war !

 KLICK : >diese Werbe-Schallfolie vom April 1966 anhören<

Die Produktionszahlen 1966 : Kurier  6465   Garant  2887  Markant  3048   Gesamt 12400


1967

Im Mai wird die Nachfolger-Baureihe vorgestellt : Die F-Typen ! Bis 1974 erschienen folgende Modelle :

F45     F46     F46-O     F55     F65     F66     F75     F76     F85     F86

Um die Details soll sich ein anderer kümmern ! Hier nur ein paar Beispielfotos aus meinem Archiv :

 Hanomag F65 Kofferwagen

 Hanomag F 76 Pritschenwagen

 Hanomag-Henschel F 86 Kofferwagen

 Hanomag-Henschel F 55 Kofferwagen

Bis dahin wurden im letzten Produktionsjahr noch folgende Stückzahlen der alten Baureihen erreicht :

Die Produktionszahlen 1967 : Kurier  1261   Garant  421  Markant  450   Gesamt 2132

 

Insgesamt wurden 109.883 HANOMAG-Frontlenker hergestellt :  61.472 Kurier, 24.222 Garant und 24.189 Markant.